Donnerstag, 28. Dezember 2017

Neu: Übersetzung und Kommentar. Die Präambel und Ouvertüre des Mittleren Weges

Mit Sanskrit-Basistext


(Aus meinem neuen Buch "Sternstunden des Buddhismus")

Hinführung
Die Präambel des MMK umreißt den Rahmen und ist Ausgangspunkt des Mittleren Weges. Es gab und gibt heftige Kontroversen über Inhalt und Bedeutung dieser ersten Verse. Was sind nun die wichtigen Aussagen und wie ist die Beziehung zum Gesamten dieses fulminanten Werkes? Und wird damit ein „neuer Buddhismus“ von Nagarjuna geschaffen, wie manchmal behauptet wurde?
Nach meinem Verständnis und vielen Jahren des intensiven Studiums meist zusammen mit meinem Lehrer Nishijima Roshi lenkt der Autor unseren Geist auf das große Anliegen Buddhas, uns von bisherigen Begrenzungen und Hemmnissen des Leidens gründlich zu befreien. 

Und er führt die Lebenspraxis mit klarer Vernunft auf Neuland des Lebens: das Erwachen zur psychisch-geistigen Klarheit, zu neuem Handlungspotential, zu neuer Lebensfreude und zur Erleuchtung. Dieses für Buddha dringende Anliegen ist in hohem Maße emanzipatorisch und therapeutisch. Auf dem eröffneten Mittleren Weg können wir bisheriges Leiden überwinden und ein neues Leben mit Freude, innerer Ruhe und im Gleichgewicht führen. Das setzt große neue Kräfte frei und gibt Impulse in die weitere gute Entwicklung von Körper, Geist und Gefühlen.
Als zentrale Verursachung für ein ungutes Leben werden von Nagarjuna die Fixierung auf erstarrte Ideologien und die Abhängigkeit von Gier, Hass, Aggression, Unwissenheit, schwere Defizite der Vernunft und mangelnde Selbststeuerung erkannt und mit philosophischer Präzision untersucht.

Welches ist nun der Weg, den wir zu diesem neuen Leben einschlagen sollten und mit zunehmender Ruhe und mit wachsendem Selbstvertrauen gehen, also mit robuster Selbst-Wirksamkeit? Nagarjunas will m. E. für den authentischen Buddhismus eine belastbare Grundlage und Klarheit zurückgewinnen und gleichzeitig die seit Buddha entstandene positive Entwicklung in Indien integrieren und vital weiterführen. Aber er will auch und gerade die eingetretenen Fehl-Entwicklungen und philosophischen Verwirrungen dingfest machen, einkreisen und einer wirklich radikalen kritischen Analyse unterziehen. Damit gewinnt der Buddhismus neue Klarheit und Dynamik, und das gilt auch und gerade für die buddhistische Gegenwart des Westens. 

Das gelingt ihm ohne Zweifel dank seines brillanten, trainierten und messerscharfen Verstandes ganz ausgezeichnet wie kaum einem anderen Denker vor und nach ihm. Aber seine Texte sind nicht einfach zu verstehen, sie waren und sind vielfältigen Missverständnissen ausgesetzt. Die Präambel des Mittleren Weges, MMK, stößt m. E. das Tor für die wirksame Verbreitung der authentischen buddhistischen Lehre gerade für die Moderne im Westen auf, sie ist die Ouvertüre des Mittleren Weges. Und dass MMK ist der zentrale Basistext der chinesischen Chan- und japanischen Zen- Buddhismus sowie des tibetischen Buddhismus.Oder im Umkehrschluss: Ohne das MMK sind diese späteren Entwicklungen nur schwer zu verstehen.

Im ersten Teil der Präambel werden zu unserem Erstaunen acht zentrale buddhistische Begriffe z. B.  Entstehen und Vergehen negiert, nämlich „nicht Entstehen“ und „nicht zur Ruhe kommen“. Denn Entstehen und Vergehen sind im Buddhismus als Veränderung-Prozesse von zentraler Bedeutung für die Überwindung des Leidens und die Befreiung also Erleuchtung. Damit fordert der Autor uns auf, die erstarrten, eventuell nur oberflächlich oder sogar falsch verstandenen und vor allem doktrinären Vorstellungen in Frage zu stellen. Sie sind nicht selten dogmatisch verhärtet und zu Worthülsen oder sogar zum inhaltlichen Gegenteil degeneriert. Zum Teil widersprechen sie dem Buddha-Dharma  daher fundamental und beschreiben irreführende Doktrinen, die menschliche Emanzipationen und Befreiung gerade verhindern und ideologisch blockieren. 

Wenn jeder Fundamentalismus bei den obigen Begriffen überwunden wird, kann allerdings durch den dialektischen Zusammenhang dieser negativen Begriffe mit ihren positiven Bedeutungen  methodisch deren gefährliche Einseitigkeit überwunden werden. Dann kann sogar eine innere Dynamik und Erweiterung der semantischen Felder in Gang gesetzt werden.[1] Aber die absoluten und fundamentalistischen Verhärtungen sind die Hauptgefahr auch im Buddhismus. Das gilt für den erstarrten Substantialismus und den in sich widersprüchlichen Momentanismus, der nicht mit der vitalen Augenblicklichkeit des Zen verwechselt werden darf.

Leider waren nach Buddha sektiererische Gruppen entstanden, die den authentischen Buddhismus entstellten und sogar vor-buddhistische, spekulativ-metaphysische, dogmatische und absolutistische Ideologien wieder belebten: Vor allem die indische spirituelle Sehnsucht nach einer Philosophie der Ewigkeit, Unveränderlichkeit und Auflösung des Selbst im Einheits-Ozean des Nirvana waren sicher maßgebliche treibende Kräfte. Das gilt für den vorbuddhistischen Brahmanismus mit seinem schreienden Unrecht des Kastensystems, das göttlich, religiös und theologisch sanktioniert worden war. Dagegen stellt Nagarjuna seine profunde Analyse.

Wie lautet nun die zentrale positive Botschaft der Präambel des MMK? Die Wirklichkeit der Welt und des Lebens können durch das „wechselwirkende gemeinsame Entstehen, pratitya samutpada“, treffend verstanden und bezeichnet werden und gerade nicht durch verschiedene metaphysische absolute Doktrinen. Diese dynamische Wechselwirkung von Strukturen und Prozessen ist die wirklich belastbare Grundlage für unseren eigenen Weg der Befreiung, Emanzipation, Weiterentwicklung und des Erwachens. Ein solches Verständnis der Wirklichkeit hat eine erstaunlich große Übereinstimmung mit den Ergebnissen der neuesten Gehirnforschung und Öko-Systemforschung. 

Bisher wurde als Übersetzung von pratitya samutpada in allen 14 wichtigen und mir zur Verfügung stehenden Fassungen  der verkürzte Begriff „abhängiges Entstehen“ (dependent arising/origination) verwendet, den ich jedoch nicht wirklich überzeugend finde. Er ist m. E. ungenau, weil die Wechselwirkung und Vernetzung nicht klar zum Ausdruck kommt. Auch in der übrigen buddhistischen Literatur überwiegt der Begriff abhängige Entstehen. Eine Ausnahme macht die Arbeit von Joanna Macy, die die Rückkoppelung im Sinne der Kybernetik erwähnt, allerdings keinen direkten Bezug zum MMK herstellt. 

Wissenschaftlich betrachtet sind die wichtigen Prozesse in der Natur nicht-linear eben durch die Rückkoppelung und Vernetzung. Daher sind lineare Begriffe wie abhängiges Entstehen oder bedingtes Entstehen m. E. nicht wirklich geeignet, um Klarheit für die Überwindung des Leidens und die Befreiung zur Erleuchtung zu erlangen. Ich bin fest überzeugt, dass Buddha diesen Zusammenhang mit intuitiver Klarheit erkannt hat und dass dieses Wissen in der Folge außer bei Nagarjuna leider weitgehend verloren gegangen ist. Durch die wissenschaftlichen Fortschritte nicht zuletzt der Gehirnforschung haben wir neue Möglichkeiten, die geniale Lehre Buddhas besser zu verstehen und für unsere Weiterentwicklung zu nutzen: Je stärker die Wechselwirkungen im neuronalen Netz unseres Gehirns ist, desto höher und integrativer sind die Leistungen des Geistes, der Ethik, der Emotionen, des sensomotorischen Systems usw.. Und desto weniger benötigen wie verzerrende und grob vereinfachende Ideologien und Doktrinen zum Leben.

Die Bedeutung des gemeinsamen Entstehens in Wechselwirkung entspricht im übrigen in markanter Weise der allgemeinen Systemtheorie von Niklas Luhmann und geht über die damalige Kybernetik weit hinaus. Aber das MMK erschöpft sich selbstverständlich nicht mit der Systemtheorie.

Und weiter: Durch unsere eigene Einwirkung („Wirk-Kraft“) im Geist und im Handeln, also durch gewollte und bewusste Veränderungen, erreichen wir das „gemeinsames Gelingen des Lebens in Wechsel-Wirkung“. Damit wirken wir auf die Selbststeuerungen aktiv ein. Das ist ohne Zweifel ein zentraler Schlüssel des Buddhismus, denn damit gelingt ein gutes Leben.

In unserem Leben entstehen vielfache wegführende Fehlentwicklungen Sackgassen und Verirrungen, die nach Buddha und Nagarjuna durch die buddhistische Lehre und Praxis zur Ruhe kommen. Dann hemmen und verwirren sie uns nicht mehr auf dem Mittleren Weg, der kraftvollen  Wirkung des Buddhismus, sodass unser fast unbegrenztes menschliches Potential entwickelt und genutzt werden kann, ein Potential das sonst wohl vergeudet würde. Der große Padmasambhava bezeichnet dies als unsere unaufhörliche, sich immer weiterentwickelnde schöpferische Fähigkeit.[2]

Nach meinem Verständnis gibt es in der Präambel zwei Schlüsselbegriffe, die fundamentale Bedeutung haben und auch in das große Werk des MMK einführen:
Wechsel-wirkendes gemeinsames Entstehen“ als konstruktive positive Aussage der buddhistischen Befreiung und „wegführende Fehlentwicklungen“ durch Doktrinen, Dogmen und Ideologien als Hemmnisse und Erstarrung. Die ersten acht Negationen betreffen die falschen Doktrinen, die im Sinne Nagarjunas als nicht-leer und damit irreal bezeichnet werden müssen. Diese Auffassung wird auch von David J. Kalupahana[3]  vertreten.

Wechselwirkung ist für alles Lebendige der Welt typisch und charakteristisch; eine Beschreibung als eindimensionales unidirektionalesabhängiges Entstehen“ ist zwar nicht ganz falsch, verengt aber die Semantik und erschwert das Verständnis des MMK nachhaltig. M. E. wird mit diesem Paradigmenwechsel die Verständlichkeit, Klarheit und Wirkkraft des MMK gegenüber dessen vorliegenden "klassischen" Literatur deutlich verbessert. Gleichzeitig wird damit der Anschluss zur Gehirnforschung, Öko-Systemforschung und allgemeinen Systemtheorie hergestellt, ohne allerdings zu behaupten, dass sich das MMK auf diese neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse beschränken lässt.

Vers 1
anirodham anutpādam anucchedam aśāśvatam /
anekārtham anānārtham anāgamam anirgamam //

(Buddha zeigte)
Nicht-zur-Ruhe-Kommen, Nicht-Entstehen,
Nicht-Abschneiden, Nicht-Dauerhaftigkeit,
nicht einen Zweck habend, nicht viele verschiedene Zwecke habend,
Nicht-Ankunft, Nicht-Fortgehen.
(als nicht richtige Doktrinen isolierter unveränderlicher Entitäten)

Das sind die irreführenden Doktrinen und Ideologien, die Buddha als solche aufzeigte. Diese acht Begriffe werden im MMK einer gründlichen Analyse und De-Konstruktion unterzogen. Sie sind nach Nagarjuna falsche Doktrinen der Fehlentwicklungen, soweit sie als absolutistische Wahrheiten verstanden werden. Sie sind unwahr und nicht leer, weil sie der erfahrbaren Wirklichkeit widersprechen. Die obigen Zeilen kennzeichnen vier falsche Doktrinen. :

1. Es gibt dann keine Veränderungen und Prozesse, sondern getrennte substantialistische Entitäten.
Alles ist unveränderlich, ewig und statisch. Das Seiende und das Sein sind in diesem Sinne ebenfalls unveränderlich und ewig. Das ist die falsche Ideologie des Substantialismus, einer absoluten unveränderlichen und innewohnenden Substanz.
2. Es gibt dann das angebliche Beenden und Abschneiden von absoluten und zeitlich isolierten Ereignissen ohne Folgewirkungen und Verbindungen. Das ist der zeitliche Momentanismus. Das Abschneiden führt ins Nichts. Dann gibt es keine ethische Verantwortung für das eigenen Handeln.
3. Dies ist die falsche Ideologie der absoluten Identität und absoluten Differenz, ohne jede Wechsel-Wirkung. Das bedeutet irrealer Dualismus und die Dichotomie als etwas Absolutes, also die totale Identität und Differenz. Beide Begriffe und Semantiken sind Extreme und damit nach Buddha unwirklich und irreführend.
4. Es gibt dann keine zusammenhängenden Prozesse. Dann gibt es keine Verbindung von Anfang und Ende eines Prozesses, sondern isolierte zeitliche Entitäten von Ankunft und Fortgehen.
Vermutlich wird noch ein andere Irrtum angesprochen: Buddha sagte, dass der Ur-Anfang und das endgültige Ende der Welt und des Lebens nicht erfassbar sind. Das wurde später fälschlich so verstanden, dass es nach Buddha keinen Anfang und kein Ende gäbe.

Vers 2
yaḥ pratītya-samutpādaṃ prapañcopaśamaṃ śivam /
deśayāmāsa saṃbuddhas taṃ vande vadatāṃ varam //

Buddha, der vollkommen Erwachte, zeigte das  wechsel-wirkende gemeinsame Entstehen und den Mittleren Weg. 
Er zeigte damit das beglückende Aufhören der wegführenden Fehlentwicklungen und Verwirrungen.
Ihn, den besten der Sprechenden und Lehrenden, verehre ich.

Ergebnis:
Nach verschiedenen Falsifizierungen von Doktrinen durch die obigen acht Negationen für die Dharmas, das sind die Dinge, Phänomen und Prozesse als "Elemente" der Welt, wird im zweiten Vers die Ganzheit des Menschen analysiert. Dabei wird der direkter Bezug auf die lebenden Wechselwirkungen und deren Faktoren als das rechte Verständnis genommen.


Besonders der Begriff Entstehen wird im ersten und zweiten Vers zum Schlüssel des Verständnisses des MMK: Im ersten Vers wird das Nicht-Entstehen (an-utpāda) als falsche Doktrin von isolierten Entitäten oder behaupteten ewigen Substanzen genannt. Dann kann es gar kein wahres Entstehen geben. Diese Doktrin ermöglicht bei genauer Analyse keine Veränderung, Befreiung und Emanzipation und widerspricht damit fundamental der Kernlehre des Buddha. Im zweiten Vers heißt es gemeinsames Entstehen (samutpāda), also Co-Entstehen und Verändern in Wechselwirkung. Nur mit diesem Verständnis kann die fortlaufenden Veränderung in der vernetzten Dynamik des Lebens und der Welt und damit die neue Lehre Buddhas sinnvoll erfasst werden. Nur so machen die Vier Edlen Wahrheiten, der Achtfache Pfad und die Befreiung in 12 kausal verknüpften Phasen Sinn.

Im Folgenden des MMK wird der Begriff der Leerheit als Bezeichnung für das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung eingeführt. Gerade das Verständnis der Leerheit stiftet oft tief greifend Verwirrungen, wird aber im MMK präzise geklärt.

Die Leerheit hat verkürzt folgende Bedeutung: Sie ist die Bezeichnung der Wirklichkeit ohne Mystifizierungen, doktrinäre Verzerrungen, ohne Gier, Hass und Verblendung, ohne leidenschaftliche Abhängigkeiten und mit funktionierender Selbst-Steuerung und Selbst-Kontrolle. In diesem Sinne ist die Semantik Leerheit  eng verwandt mit Reinheit und damit Befreiung. Das ist die Grundlage des ethischen Handelns und ist die dynamische „Wirklichkeit wie sie wirklich ist und sich fortlaufend verändert“. Philosophisch gilt: Das ist die Wirklichkeit ohne die Doktrin einer innewohnenden, unsichtbare und unveränderlichen Substanz (Substantialismus, âtman und svabhâva). Die Wirklichkeit ist also leer und "rein" von solchen unsichtbaren ewigen und absoluten substantialistischen Entitäten. Leerheit bedeutet aber gerade nicht Nihilismus und ist kein Nichts.

Die Dynamik der Wirklichkeit ist durch Entstehen, Vergehen, Veränderungen usw. gekennzeichnet. Diese Veränderungen sind Voraussetzungen sowohl für die Überwindung des Leidens als auch die Befreiung, Weiterentwicklung, Emanzipation und Erleuchtung des Menschen.

Die Vernetzung und Wechselwirkung der Prozesse und Strukturen der Wirklichkeit sind weiterhin wichtig. In der Wirklichkeit können wir keine Isolation, keine totale Unabhängigkeit und kein Entstehen ohne Wechselwirkung und kein Entstehen nur aus sich selbst heraus erkennen. Dabei ist die Interaktion in der Vernetzung des Ganzen von zentraler Bedeutung. Wirklichkeit ist durch Veränderung gekennzeichnet.

Bedeutsam ist die konsequente Vermeidung von gedachten oder geglaubten Extremen auf dem Mittleren Weg. Wie brauchen Klarheit über die Möglichkeiten und die Grenzen von Verzerrungen auch der Sprache und der Vernunft :„Weisheit jenseits des Intellekts“. Dazu gehört auch die Überwindung einer angeblich „gelehrten“ Scholastik und der mathematischen Logik, vor allem des simplen ausschließenden „Entweder-Oder und der Identität“ (ausgeschlossenes Drittes nach Aristoteles).

Ohne die wirkliche Bedeutung der Leerheit nach Nagarjuna ist es m. E. sehr schwer, das MMK und die weitere Entwicklung des Buddhismus zu verstehen.

Im ersten Teil werden acht Negationen von zentralen buddhistischen Begriffen aufgeführt. M. E. kann es allerdings auch sinnvoll sein, sie mit ihren jeweiligen positiven Begriffen zu verbinden, um den vollen Umfang der Bedeutungen zu erkennen. Das entspricht der Dialektik, aber nicht den Extremen des Absolutismus. Die Präambel bezeichnet die Negationen der absoluten unabhängigen und dogmatischen Bedeutungen der Begriffe. Damit ergibt sich zusätzlich ein erweiteter Bedeutungsumfang, der philosophisch durch die Verbindung von dialektischen negativen und positiven Formulierungen erreicht wird.

Die zentrale Stoßrichtung Nagarjunas trifft alle absolutistischen Begriffe und extremen Semantiken des Buddha-Dharma! Daraus ergibt sich das rechte Verständnis der Leerheit, die große Bedeutung für den späteren Buddhismus des Madyamika und Mahayana hat. Falsch verstandene Deutungen der Leerheit haben sicher dazu beigetragen, dass Nagarjuna als Nihilist abgewertet wurde oder ihm ein Weltbild von statisches Entitäten unterstellt wurde. Das wäre aber eine radikale Kehrtwendung des authentischen Buddha-Dharma.






[1] Hegel: Phänomenologie des Geistes
[2] Guenther: Wirbelndes Licht
[3] Kalupahana, David, J.: Nâgârjuna,The Philosophy of the Middle Way, S. 102

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