Donnerstag, 5. Januar 2017

Neuer Kommentar: Das Geheimnis des Herz-Sutra

(Von Yudo J. Seggelke Roshi, überarbeitete Fassung vom 29.Februar 2020)


Neue Klarheit beim Herz-Sûtra durch Nâgârjûnas Mittleren Weg
Um es vorweg zu sagen: Zum Verständnis und zur Interpretation des geheimnisvollen und für viele verwirrenden Herz-Sutra ist es aus meiner Sicht ein neuer Ansatz erforderlich. Ich halte es für sinnvoll, ja notwendig, die Aussagen Nâgârjunas aus seinem großen Werk des Mittleren Weges (MMK) heranzuziehen. Denn dadurch lassen sich scheinbare Paradoxien und Unklarheiten weitgehend auflösen. In ähnlicher Weise gehen Kazuaki Tanahashi und Joan Halifax in dem großartigen und umfassenden  Buch "The Heart Sutra" und dessen Übersetzung ins Englische vor. Auch Karl Brunnhölzl geht in seinem wertvollem Buch: "Das Herz Infarkt Sutra. Ein neuer Kommentar des Herz-Sûtra" spannende neue Wege zum Verständnis dieses von Geheimnissen umgebenen Sûtras auf der Grundlage des tibetischen Buddhismus. Er schafft bisher nicht gekannte Detaillierungen und Klarstellungen durch das tibetische Verständnis der Leerheit und den vielfältigen Negationen des Sûtra. Es wäre  dabei aus meiner Sicht sicher weiterführend, auch eine Beziehung zu Nagarunas Weg der Mitte auszuarbeiten. Dies umso mehr, da Nagarjunas Werk auch im tibetischen Buddhismus fundamentale Bedeutung hat.

Was könnte der Grund sein, dass Nâgârjunas Werk  des MMK bisher zu wenig für das Verständnis Herz-Sutra herangezogen wird? 

Die Antwort lautet aus meiner Sicht: Das MMK ist sicher eines der schwierigsten buddhistischen Werke. Es gab gerade beim MMK viele Missverständnisse und fatale Fehlinterpretationen. Dieses Werk wurde bis vor wenigen Jahrzehnten als Nihilismus, und als total neue Lehre des Buddhismus und der Leerheit verstanden. Das ist nicht zu halten. Mein Lehrer Nishijima Roshi fand einen neuen Schlüssel durch die enge Beziehung zum Zen-Buddhismus und besonders zu Dogens Shobogenzo. Wissenschaftlich haben die Arbeiten von Kalupahana und Garfield eine neues konstruktives Verständnis erarbeitet. Denn es geht Nâgârjuna gerade darum, den authentischen Buddhismus von Erstarrungen und Dogmatisierungen durch das absolute Substanz-Denken und durch das Trennen und "Zerhacken" in unverbundene getrennte Momente (Momentanismus) zu befreien. Auf diesen Grundlage habe ich weiter gearbeitet und zusammen mit der Indologin Elisabeth Steinbrückner eine ganz neue Basis-Übersetzung erstellt. Nun möchte die Ergebnisse kurz darstellen. Mit den Doktrinen des Substantialismus und Momentanismus könnte es nämlich bei genauer Analyse weder Veränderungen, Lernprozesse, Fließ-Energien und Kreativität  noch die Überwindung des Leidens geben. Das wäre in der Tat für den Buddhismus absurd.

Von zentraler Bedeutung ist das Verständnis der Wirklichkeit Buddhas und Nâgârjunas als wechsel-wirkendes gemeinsames Entstehen (pratitya samutpada), das bisher meist zu eng und nicht  exakt als abhängiges Entstehen übersetzt wurde. Genau diese Wechsel-Wirkung  der Natur wird von Nâgârjunas mit  Leerheit 
bezeichnet. Denn die Natur ist leer von Doktrinen, Ideologien und noch so intelligenten Konstrukten . Es geht um vernetzte und rückgekoppelte Prozesse und Veränderungen in der Natur und damit auch beim Menschen. Damit ist auch die Fließ-Energie der Natur und des Menschen einbezogen, die chinesisch als Chi bezeichnet wird und zentral für den Chan-Buddhismus ist. Diese Energie kann geradezu als Lebens-Energie bezeichnet werden. Wie kann man überhaupt eine buddhistische Philosophie und Praxis postulieren, die eine solche Lebens-Energie verneint? Genau da setzt das Herz-Sutra an. Schon unser Atmen ist Lebens-Energie, Leben ist niemals Statik und schon gar nicht Erstarrung.  Und wie ist die Verbindung mit der Leerheit?  Für viele von uns ist die Bedeutung und Relevanz der Leerheit schwer zu verstehen. Bei deren falschem Verständnis wird die Leerheit  nach Nâgârjuna zu einer gefährlichen "giftigen Schlange", die man keinesfall ergreifen sollte. Leerheit der Natur bedeutet schlicht, dass sie leer von Täuschungen und Illusionen ist, die von Menschen bewusst oder unbewusst hinzugesetzt werden. Leerheit der Natur und ders Menschen heißt, dass die Natur so ist, so wie wie sie wirklich ist und wie sie wirklich fließt und vernetzt ist. Ohne etwas hinzuzusetzen oder wegzulassen. Wer das verwirklich, ist erwacht und erleuchtet. Das ist das natürliche Entstehen in Wechsel-Wirkung in der Wirklichkeit und kann ohne jede Mystifizierung verstanden werden. Wie geht das?

Verkürzt kann man m. E. sagen, dass das Herz-Sutra als Zusammenfassung der sehr umfangreichen Mahayana- und Madyamika-Schriften als Kurzfassung des Mittleren Weges Nâgârjunas zu verstehen  ist. Daher wird vor allem materialistisches und doktrinäres Denken  abgelehnt. Dadurch kommt die authentische Botschaft Buddhas  des lebendigen und wechselwiekenden Weges klar zum Ausdruck. Wir sollten also das Werk Nâgârjunas studieren und auf dies Weise auch den wahren Sinn das Herz-Sutra klären. Das ist m. E. bisher nicht konsequent genug geschehen.


Ohne das obige Verständnis der lebenden vernetzten Wirklichkeit und der fließenden Energie der Natur kann nach Nâgârjuna die Befreiungs-Lehre Buddhas weder verstanden noch verwirklicht werden. Derer weiter führende WEG wäre dann blockiert und auch durch manche geradezu  abenteuerliche Vorstellungen der Leerheit versperrt oder sogar vergiftet.



Dann bliebe die großartige Wahrheit des Herz-Sutra verborgen und dieses Mantra wäre verwirrend und damit wirkungslos - um es freundlich auszudrücken. Gläubige Naivität, fehlende Reflektion und Verwirrungen sind nach Nâgârjunas gerade nicht das Anliegen des Buddhismus. Dann ist wäre schon besser, das Herz-Sûtra in Japanisch, Chinesisch, Sanskrit,Tibetisch oder auch Deutsch nur zu rezitieren und die Bedeutung ganz beiseite zu lassen. Dann hätte man wenigstens die Energien der Laute und des Rezitierens gerettet. Aber ist das wirklich die Lösung des Problems? Wohl kaum.

Kurze Zusammenfassung des Mittleren Weges (MMK) von Nârgâjuna
Im ersten Teil der Präambel des MMK werden acht wichtige buddhistische Begriffe negiert, z. B. „Nicht-Entstehen“, und "Nicht-Vergehen", sowie "Nicht-Abbrechen" und "Nicht-Andauern" usw.. Das sind übrigens genau die selben Begriffe wie in den sechs Negationen im Herz-Sutra. Damit fordert Nâgârjuna uns auf, die nur oberflächlich verstandenen Begriffe in Frage zu stellen, die nicht selten dogmatisch verhärtet und zu doktrinären Worthülsen verkommen sind. Sie sollen entschlackt und zu neuer Kraft und zu neuem Leben erweckt werden. Das mag für Viele zunächst ein Schock sein, wie auch Brunnhölzl beschreibt. Es geht aber keineswegs um deren vollständige Verneinung, wie nihilistische Interpreten behauptet haben. Nihilismus ist nämlich eine extreme Philosophie, die nach dem Mittleren Weg falsch, gefährlich und abzulehnen ist. Wir dürfen auch nicht nur die mathematische Logik des Exklusiven-Oders (Ja oder Nein) anwenden, das ist nicht die "Weisheit jenseits der Weisheit" (Tanahashi).

Was sagt nun Nâgârjuna positiv zu diesem Thema?
Die Präambel des Mittleren Weges (MMK) beschreibt in sehr kompakter Form dessen Kern-Aussagen. Sie lenkt unseren Geist und unser Leben auf das große Anliegen Nâgârjuna , eine belastbare Grundlage für den authentischen Buddhismus zurückzugewinnen und gleichzeitig die philosophische Entwicklung in Indien seit Buddha einzubeziehen und zu nutzen. Dies Klarstellung war dann wichtiges Fundament des späteren Chan- und Zen-Buddhismus.

Damit wird das Tor für die weite Verbreitung der korrekten buddhistischen Lehre und Praxis über Indien, China, Japan usw. bis hin zur Moderne im Westen geöffnet. Was sind nun die Kern-Aussagen der Präambel, die in den folgenden 27 Kapiteln des MMK im Einzelnen bearbeitet und philosophisch zwingend analysiert werden?

Nâgârjuna  will ganz klar zwischen den Vorstellungen, Doktrinen und Dogmen in unserem Gehirn und der Realität des Fließens und der Entstehens in Wechsel-Wirkung unterscheiden. Dabei wird besonders die Doktrin Lehre Sarvastivadins falsifiziert, die eine dauerhaften Existenz der Dharmas postuliert. Und diese Realität bezeichnet er als Leerheit! Nämlich als Leerheit von Wirklichkeits-fremden Doktrinen und verzerrenden Ideologien. Sie entstehen nicht zuletzt durch den Glauben an die absolute Wahrheit von Begriffen und überhaupt von Sprache. Es geht ihm darum, wann und wo solche Vorstellungen und Dogmen sich in unserem Gehirn verselbständigt und isoliert haben, z.  B. der Glaube an eine isolierte unsichtbare Substanz in der Welt und in der Natur. Dann haben solche Doktrinen den Bezug zur Wirklichkeit verloren, sind Täuschungen und es gibt keine fruchtbare Wechsel-Wirkung von Realität und unserem Geist. Das erzeugt gerade das Leiden1 Es ist für mich undenkbar, dass Entstehen und Vergehen usw. der Natur und des Menschen abgelehnt werden, denn das wäre die Ablehnung von Veränderung, Lernen und Emanzipation. Das ist aber die zentrale Lehre des Buddha-Dharma, der Vier Edlen Wahrheiten, des Achtfachen Pfades und der Zwölffachen Kette usw.. Das Gegenteil ist also richtig. Die Zwölffache Kette führt in einer Folge von fatalen Kausalitäten zwingend ins Leiden, wenn unser Geist von dem Glauben an die  Extremen der Existenz und Nicht-Existenz besetzt ist. Aber sie führt zur Freiheit, wenn wir ganzheitlich dem Mittleren Weg folgen Buddhas und Nâgârjunas (Kaccana sutta). 

Dann kommt die zentrale Botschaft des MMK:
Die Realität der Welt und des Lebens kann durch das „wechsel-wirkende gemeinsame Entstehen“ (pratitya samutpada) treffend verstanden werden. Diese Wechsel-Wirkung ist die wirklich belastbare Grundlage für unseren eigenen Weg der Befreiung, Emanzipation und Weiter-Entwicklung, also der Überwindung des Leidens und die Realisierung des Erwachens. Sie ist gleichzeitig der Schlüssel zu dem Begriff der Leerheit, der diese Wechselwirkung der Natur bezeichnet, (MMK, Kap. 24, Vers 18 und 19). Damit werden mythologischen Bedeutungen der Ontologie und Metaphysik abgelehnt und destruiert. Sie sind Hemmnisse auf dem Weg der Befreiung. Die obigen Negationen des MMK und des Herz-Sutra ist daher das falsche Weltverständnis einer Wirklichkeit, die keine Wechsel-Wirkung und damit keine Leerheit von Doktrinen kennt und gerade nicht mit dem authentischen Buddhismus übereinstimmt. Das berühmte Herz-Sutra stimmt also gerade mit dem MMK und den obigen Aussagen fast wörtlich überein. Damit wird die authentische Theorie und Praxis des Buddhismus von Unklarheiten und Fälschungen befreit.

Auf dem buddhistischem Weg kommen vielfache Fehlentwicklungen unseres Leben zur Ruhe und vergehen, die uns häufig hemmen und verwirren. Sonst würde unser fast unbegrenztes menschliches Potential ungenutzt bleiben, z. B. unseres Geistes: Wir würden solche Möglichkeiten und Chancen schlicht vergeuden.

Die Präambel des MMK sagt zum Shluss: "Gautama Buddha zeigte uns als vollkommen Erwachter diesen Weg der Befreiung." Nâgârjunas verehrt ihn als den größten Lehrer und den „besten der Sprechende".


Zurück zum Herz-Sûtra:
Alle Extreme sind nach dem Mittleren Weg gerade kein brauchbares Verständnis der Wirklichkeit. Deshalb sind Nicht-Existenz, absolute Negationen und Nihilismus mit dem Buddhismus nicht vereinbar (Quelle: Kaccana sutta und MMK). Gegenfrage: Aber im Herz-Sûtra gibt es doch so viele Negationen. Wie soll man diese verstehen?

Alle Doktrinen ohne wechsel-wirkendes gemeinsames Entstehen und damit ohne Leerheit sind wie oben dargestellt unzureichend. Sie beschreiben eine unveränderliche, statische und erstarrte Welt von Gegenständen, Gegebenheiten und Substanzen, die es nicht gibt und nicht geben kann. Dann kann es z. B. kein Entstehen, kein Vergehen, keine Veränderungen, keine Emanzipation und keine Erleuchtung geben. Die verändernde und heilende Lebens-Energie und der Flow würden dabei vernachlässigt. Solche Doktrinen können überhaupt nicht als Grundlage für Buddhas praktischer Philosophie zum Erkennen und Überwindung des Leidens verwendet werden (MMK, Kap. 24). Es sind Doktrinen, die meist fälschlich von einer unsichtbaren Eigen-Substanz (svabhâva) der Dinge und Phänomene dieser Welt ausgehen, die isoliert, aus sich selbst und ohne Wechselwirkung entstanden sein sollen. Aber so Etwas ist nach Buddha Täuschung und gefährliche Illusion, das ist die Dogmatik der Substantialität und des âtman-Ego.

Solche falschen Ideologien hatten sich zur Zeit Nâgârjunas (und bis in die heutige Zeit) wieder im Buddhismus verbreitet und wurden von ihm einer präzisen De-Konstruktion (ähnlich beim französischen Philosophen Derridá) unterzogen (MMK, Kap. 1).

Schlussfolgerung:
Nach Nâgârjunâ kann man analog zum Mittleren Weg konkret zum Herz-Sûtra Folgendes sagen:
Der Bodhisattva ist ein voll Erleuchteter mit Körper, Geist und Handeln, der anderen tatkräftig hilft, ohne für sich selbst einen spirituellen Vorteil anzustreben. Er  hat das Höchste des möglichen Wissens und Handelns erreicht und ist frei von schädlichen Doktrinen und Vorurteilen, wie z. B. des Substantialismus und Momentanismus. Also vor allem der Behauptung einer ewigen, unveränderlichen Substanz wie beim âtman und auch des totalen Verschwindens im Nichts.

Die Komponenten des Menschen (skandhas) werden am Beispiel der Form, des nur scheinbar körperlich isoliertem und unveränderlichem Materiellen, in ihrer Wirklichkeit beschrieben (MMK, Kap. 4): Sie unterliegen dem  gemeinsamen Entstehen in Wechsel-Wirkung und der Vernetzung der Wirklichkeit (MMK, Präambel und Kap. 1), die Nâgârjuna als Leerheit bezeichnet. Daher sind die Form und die anderen skandhas leer von solcher Doktrin. 

Die wirkliche Form ist also in Wechsel-Wirkung und genau deswegen ist sie leer, leer von Erstarrung und Unveränderlichkeit, dem âtman oder einer unsichtbaren und total isolierten Eigen-Substanz. Die Komponenten des Menschen sind in der Wirklichkeit nicht voneinander getrennt und nicht isoliert, sondern vernetzt, in Wechsel-Wirkung und daher ohne isolierte Eigen-Substanz. Sie sind in Wechselwirkung und wirken dynamisch mit Lebens-Energie zusammen. Daher sind sie  nicht nur materiell zu verstehen, sondern gehen über Materielles hinaus. Sie übersteigen auch die Ebene der Sprache und Worte, der Intellektualität und der mathematischen Logik. Alle diese Behauptungen sind unwirkliche Doktrinen und Illusionen, die wie die des âtman ins Leiden und in Abhängigkeit führen. 
Brunnhölzl spricht sehr anschaulich von isolierten aufgeblasenen Luftballons, die platzen müssen.

Die Negationen im Herz-Sutra bezeichnen also falsche Doktrinen, einer unsichtbaren Eigen-Substanz, ohne wechsel-wirkendes Entstehen und damit ohne Leerheit (MMK. Kap. 24). Mit ihnen verirren wir uns in eine imaginäre Scheinwelt, die unveränderlich, erstarrt und substantialistisch ist. Dann gibt es kein Entstehen und Vergehen (MMK, Kap. 7) und keine Entwicklung, Befreiung und Emanzipation des Menschen. Buddhas Befreiungs-Weg ist mit solchen Täuschungen und Illusionen obsolet. Die Negationen des Herz-Sûtra sind aber kein Nihilismus, der behauptet, dass es weder Augen, Ohren usw. in der Wirklichkeit gibt! Das Gegenteil ist richtig: Illusionen, Dogmen und Vorurteile werden durch unverstellte Wahrnehmung beiseite geräumt und dadurch kommt die Wirklichkeit und dynamische Schönheit erst voll zur Klarheit. Durch solche Täuschungen haben wir z. B. keine Augen, die Wirkliches und Wahres sehen können. Solche Augen gibt es in Wirklich keit nicht.

Mit der falschen Doktrin von unveränderlichen unsichtbaren Substanzen beim Menschen und der Welt gäbe es also keine wirkliche unverstellte sinnliche Wahrnehmung (MMK, Kap. 3), keine Organe des Menschen, usw.. Sie wären reine Illusionen und falscher gefährlicher Zauber. Gleiche Illusionen und Täuschungen gelten für abgehobene geistige und spirituelle Tätigkeiten, Wissen,  Ethik, Achtsamkeit, Meditation, Ziele des Erreichens, der Befreiung, Erleuchtung und die anderen Bereiche von Buddhas Lehre. Besonders die Ziele des Erreichens der buddhistischen Freiheit und das Erreichen selbst als Handeln werden durch erstarrte Dogmen, Selbstüberschätzung und andere Illusionen unmöglich gemacht. Daher heißt es im Herz-Sutra: Weil der Bodhisattva frei von solchen doktrinären Verirrungen und Illusionen ist und er lebt frei. Wörtlich heißt es im Herz-Sutra:  "Aus der Nicht-Existenz eines Geistes mit Hemmnissen ist er ohne Schrecken, hat das Gegenteil erklommen, ist gestützt und gegründet im Nirvana". Diese Befreiung ist das Erwachen im alltäglichen Leben, das Nirvana im Hier und Jetzt. Das ist ein Leben ohne Angst, die höchste Weisheit und "das andere Ufer".

Wir besitzen heute verlässliche wissenschaftliche Ergebnisse aus der Öko-Systemforschung und auch der Gehirnforschung, nämlich der Vernetzung, Plastizität, Bahnungen, Vernetzung, des modularen Aufbaus und der permanenten synaptischen Aktivitäten des Lernens und Veränderns. Sie haben keinen materiellen oder Kern etwa des âtman, sondern sind ein hervorragendes, innovatives und vernünftiges Ganzes, das im Gleichgewicht sehr gut funktioniert und von uns beeinflussbar ist. Dieses Ganze nennen wir im Einklang mit Buddha und Nâgârjuna Leerheit. Ist das nicht erstaunlich!

Die Schluss-Aussage des Herz-Sutra "gegangen" bedeutet, dass die falschen Doktrinen, Vorstellungen, Täuschungen und unrealistischen Konzepte verlassen wurden, die im Hauptteil des Herz-Sutras im Einzelnen aufgezählt und falsifiziert werden. Das ist der große Befreiungsweg! Denn es geht um die vernetzten unverstellte Wirklichkeit von Körper, Geist, Psyche, Handeln und Lebens-Energie des Hier und Jetzt. Das ist die Grundlage unsere Befreiung von Täuschungen, Illusionen, Vorurteilen absolutistischen Weltanschauungen  und erstarrten Doktrinen. Ein metaphysischer Glauben an ein jenseitiges illusionäres Nirvana ohne Entstehen, Vergehen und der Lebens-Energie ist nach Nâgârjunâ auch nicht erforderlich und führt meist zu Illusionen, Verwirrungen und zum Leiden.


Montag, 5. Dezember 2016

Eckpunkte des Zen-Buddhismus

(Von Gudo Wafu Nishijima Roshi)

Meister Dōgens großes Werk Shōbōgenzō, „Die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges habe ich über vierzig Jahre eingehend studiert, und bin der festen Überzeugung, dass die von mir bearbeiteten Quellentexte auch für den Westen von unschätzbarem Wert sind. Ich unterstütze die deutsche Fassung des Shobogenzo und dessen Einführung: „ZEN-Schatzkammer“ ausdrücklich, weil damit das Verständnis der sicher nicht einfachen Aussagen des Shōbōgenzō im deutschsprachigen Raum für viele Leser wesentlich verbessert werden kann.

Manche meinen, der Buddhismus eigne sich als Religion nur für jene Menschen, die sich aus dem beruflichen Alltag und gesellschaftlichen Leben in die Nische eines Klosters zurückgezogen haben und versuchen, dort auf einer „Insel der Seligen“ ohne die Ungerechtigkeiten des normalen Alltags zu leben. Manche glauben auch, dass der Buddhismus ausgesprochen lebensfeindlich oder gar nihilistisch sei. Vor allem der Zen-Buddhismus sei, so eine verbreitete Ansicht, von lebensfeindlicher Askese und dem schmerzhaften Ringen um die große Erleuchtung (Satori, Kensho) geprägt, diese sei aber für einen „normalen“ Menschen ohnehin nicht erreichbar. Eine solche Sichtweise kann ich jedoch aus meiner praktischen Erfahrung und der in langem Studium gewachsenen Kenntnis heraus nur als völlig falsch bezeichnen – das Gegenteil ist richtig.

Wirklichkeit der Welt 
Wer sich aus der Wirklichkeit der Welt verabschiedet hat, gerät unweigerlich in einen meist ausweglosen Kreislauf von Illusionen, Leiden, Trugbildern, Ängsten und subjektiven Welten und kann von diesem Leiden nur dann befreit werden, wenn er zur Wirklichkeit des Lebens und der Welt und damit zur Wahrheit zurückfindet. Gautama Buddha hat dies erfahren und erkannt und uns die großartige Lehre des Buddha-Dharma geschenkt, die uns nicht zuletzt von Meister Dōgen authentisch übermittelt wurde.

Der Buddhismus lehrt nicht, dass das ganze Leben aus Leiden besteht, wie manchmal behauptet wird, sondern im Gegenteil: Er will uns praktisch gangbare Wege aufzeigen, wie wir das vorhandene oder zukünftige Leiden überwinden können. Dann können wir eindimensionale Weltanschauungen über Bord werfen, Ideologien und Verführungen schnell durchschauen und zu Gleichgewicht und Harmonie zurückfinden. Dies ist der mittlere Weg und der natürliche Zustand des Menschen. Mit Meister Dōgen bin ich der festen Überzeugung, dass die Meditations-Praxis des Zazen in Verbindung mit der authentischen buddhistischen Lehre genau der richtige Weg ist, den wir beschreiten sollten.

Meine eigene Lehre stützt sich neben Gautama Buddha selbst auf die genialen Meister Nagārjuna, Bodhidharma und vor allem auf Meister Dōgen. Ich habe bei meinen zahlreichen Vorträgen und Gesprächen in Asien, Europa und Amerika festgestellt, dass sich die Kernpunkte der Theorie und Praxis des wahren Buddhismus in der heutigen Zeit immer klarer herauskristallisieren und besser verstanden werden. Dies betrachte ich als große Hoffnung. Es wäre von großem Wert für die gesamte Menschheit, wenn der Buddhismus im Westen neue Kraft und Klarheit erlangen könnte, und ich würde mich sehr freuen, wenn mein Schüler, der Zenmeister Prof. Dr. Yudo J. Seggelke, und ich dazu einen substanziellen Beitrag leisten könnten.

Welches sind nun die maßgeblichen Kernbereiche des Buddha-Dharma?
Lassen Sie mich dabei zunächst kurz auf das Leben und die Erfahrungen von Meister Dōgen eingehen. Er wurde 1200 n. Chr. geboren und erlebte schon in früher Jugend schwere Schicksalsschläge, weil sein Vater und seine Mutter früh starben und er auf diese Weise bitter erfahren musste, dass das Leben endlich ist. Dies mag der Grund dafür sein, dass er schon in jungen Jahren nach dem Sinn und der Wahrheit des Lebens und der menschlichen Wiklichkeit suchte. Er trat mit zwölf Jahren in ein buddhistisches Kloster ein und hatte sich nicht zuletzt wegen seiner überragenden Intelligenz und Beharrlichkeit schon bald die verschiedenen buddhistischen Lehren im damaligen Japan erarbeitet und sie durchdrungen.

Der junge Dōgen war nicht nur außergewöhnlich begabt, sondern auch überaus ehrlich sich selbst gegenüber, so dass ihn der damals in Japan gelehrte sehr theoretische und spekulative Buddhismus trotz besten Willens und großer Anstrengung nicht überzeugte. Er entschied sich daher, nach China in das Ursprungsland des Zen-Buddhismus zu gehen. Auch dort erlebte er zunächst Enttäuschungen, bis er schließlich und fast am Ende der Reise seinem Meister Tendō Nyojō begegnete, der neben der fundierten Lehre des Buddhismus vor allem die Praxis des Zazen und das Handeln im Alltag in den Mittelpunkt des buddhistischen Lebens stellte. Dieser hatte selbst viele Jahre lang einen wahren Meister gesucht, aber nicht gefunden. Solche großen Meister gab es zu jener Zeit nur noch wenige in China.

Zazen ist keine geistige Meditation,
bei der die Konzentration auf ein Meditationsobjekt, zum Beispiel auf ein Thema oder ein Bild, auf den Atem, auf das Zählen oder auch auf die paradoxe Frage eines Kōans gerichtet ist. Zazen ist genau das Gegenteil, nämlich praktisches Handeln ohne diskursives Denken in Form des Sitzens in der richtigen Zazen-Haltung. Zazen ist gegenstanslode Meditation: Einfach Sitzen. Dabei stellt sich beim Menschen ein bestimmtes Gleichgewicht ein, und alle Gedanken, Gefühle und die normale Wahrnehmung verschwinden früher oder später. Dadurch befreit sich unser Geist von Grund auf. Nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen handelt es sich dabei vor allem um das Gleichgewicht des vegetativen Nervensystems, wenn die Aktivität und Spannung des einen Teilsystems – Sympathikus – und die Passivität und Wahrnehmung des anderen – Parasympathikus – im Gleichgewicht sind.

Das japanische Wort „Shōbōgenzō“ bedeutet: der wesentliche Kern oder die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges, also des Buddhismus. Dieser kostbare Schatz der Lehre ist aus der Sicht von Meister Dōgen zusammen mit der Praxis des Zazen die umfassende Lehre des Gautama Buddha. Er beschreibt sie in seinen Lehrreden (Sūtras) sehr genau und hat sie, wie wir wissen und erfahren, an seine Schüler und an uns weitergegeben.

Eckpunkte der Zazen-Praxis
Was sind nun die Kennzeichen der Zazen-Praxis, die Meister Dōgen sehr umfassend lehrt?
Er führt folgende vier wesentliche Bereiche auf:

(1) Das Überschreiten des üblichen unterscheidenden Denkens mit dem Verstand durch die besondere Art des „Nicht-Denkens“;

(2) Das regelmäßige Sitzen im Zazen in der richtigen Körperhaltung, die von Dōgen exakt beschrieben wird. Dieses Sitzen ist praktisches Tun, umfasst damit den ganzen Menschen und beschreibt wie im Yoga die körperliche Dimension als Grundlage des Handelns und des Geistes.

(3) Dōgen beschreibt das wirkliche Handeln und Erleben bei der Zazen-Praxis mit den Worten „das Fallenlassen von Körper und (denkendem) Geist“ und meint damit, dass wir uns von den einengenden Fesseln des Körpers und des gewöhnlichen Verstandes, die uns in unserem Leben so häufig einengen und quälen, befreien. Ich interpretiere diese von Dōgen formulierte Tatsache als das Gleichgewicht des vegetativen Nervensystems, das durch die Zazen-Praxis erreicht wird.

(4) Die Praxis des Zazen wird durch das japanische Wort Shikantaza beschrieben, das übersetzt etwa heißt „nichts anderes tun als sitzen“. Damit will Dōgen vor allem klar machen, dass wir uns bei der Zazen-Praxis nicht auf ein vorgestelltes Objekt, also ein Thema, Ziel oder Kōan, konzentrieren sollen, sondern dass das richtige Sitzen selbst die wesentliche Übungspraxis ist. Durch das Sitzen werden Gleichgewicht und Harmonie ermöglicht, von denen wir heute wissen, dass sie die Balance des vegetativen Nervensystems ausmachen. Dieses Zazen-Praxis bezeichne ich, wenn sie sich verwirklicht, als die erste Erleuchtung. Sie kann aber nicht auftreten, wenn sich intellektuelle oder andere unruhige Gedanken im Gehirn festsetzen, wenn Gefühle vorherrschen, wenn verzerrte Wahrnehmung dominiert oder man gierig nach irgendetwas verlangt, zum Beispiel auch nach der großen eigenen Erleuchtung. 

Besonders schädlich ist die Gier nach Ruhm, Ansehen, eigener Wichtigkeit, Macht oder Profit und der damit verbundene Stolz. Daher ist es so wesentlich, durch Shikantaza nicht unbedingt irgendein „großartiges“ Ergebnis wie die Erleuchtung erlangen zu wollen und sich nicht auf irgendetwas Spezielles zu konzentrieren. Vielmehr kommt es darauf an, die richtige körperliche Haltung einzunehmen und das Sitzen als Handeln zu verwirklichen. Nur dann wird sich die erste Erleuchtung bei der Zazen-Praxis wie von selbst ereignen.

Gautama Buddha hatte im damaligen Indien zunächst versucht, durch die bekannten Formen der Meditation und geistigen Konzentration sowie durch extreme Übungen der Askese die Befreiung und das Erwachen zu erlangen und war dabei gescheitert. Die damals Indien gelehrte Philosophie des Idealismus, bei dem Gedanken, Ideen, Vorstellungen und Ideale vorherrschend waren, hatte nicht zum ersehnten Erwachen geführt. Aber auch die materielle Lebensphilosophie, die behauptet, allein die Wahrnehmung, Beobachtung und der sinnliche Genuss seien wirklich, hatte sich für ihn als Sackgasse erwiesen. Dasselbe gab die harten Übungen der Askese als wertlos auf. Auch Skeptizismus und Nihilismus, die es schon damals als Denkrichtungen gab, führten nicht zum Erwachen.

Was erkannte Gautama Buddha?
Schließlich erkannte Gautama Buddha beim Zazen und dem Aufleuchten des Morgensterns, wie Meister Dōgen es ausdrückt: „Die ganze Erde und alle Lebewesen verwirklichen zusammen die Wahrheit.“ Ihm wurde plötzlich klar, dass er über das gewöhnliche unterscheidende Denken und die übliche Wahrnehmung hinausgehen musste, um die Wahrheit und Wirklichkeit der Welt direkt zu erfahren und zu erleben. Dazu benutzte er die Praxis des Zazen in der seit langem bekannten Yogahaltung des halben oder ganzen Lotossitzes.

Durch den einfachen Akt des Sitzens im Augenblick und im Hier und Jetzt verlassen wir das oft quälende dualistische Bewusstsein von Körper und Geist und erfahren unser Leben im Einklang und in der Harmonie mit dem Universum ganzheitlich und unmittelbar intuitiv. In der wirklichen Erfahrung des Zazen können wir den Buddha-Dharma vollkommen verwirklichen, wenn wir, wie ich immer wieder betone, zweimal täglich diese Übung praktizieren.

Um das Shōbōgenzō von Meister Dōgen wirklich zu „verstehen“ und sich nicht an scheinbaren Widersprüchen und Paradoxien aufzureiben, gibt es einen Schlüssel, der den großen Wert dieses Werkes besser erschließt, den ich im Laufe meines langen Lebens entwickelt und immer mehr verfeinert habe. Es handelt sich dabei um die, wie ich glaube, umfassende Lehre der sogenannten vier Sichtweisen oder Lebensphilosophien, die Meister Dōgen in dem Kapitel „Das verwirklichte Leben und Universum“ (Genjō-kōan) beschreibt.

Die volle Wirklichkeit des Lebens
und der Welt sind danach weder durch den Verstand noch durch die Wahrnehmung allein ganz zu erfassen, sondern beide ermöglichen nur Teilsichten und Teilwahrheiten, die durch ihre Einseitigkeit als umfassende Philosophien letztlich für das praktische Leben ungeeignet sind und daher zwangsläufig zu verschiedenen Formen des Leidens führen müssen.

Die beiden ersten Lebensphilosophien sind die im Westen vorherrschenden Lehren des Idealismus und Materialismus, des Denkens und der Materie. Gautama Buddha und Meister Dōgen zufolge muss als dritter Bereich das Handeln und Erfahren im gegenwärtigen Augenblick, also im Hier und Jetzt, hinzukommen. Dann können wir die enge Perspektive des Subjekts überschreiten und uns dadurch wesentlich befreien. Bei der Zazen-Praxis und im Alltag eröffnet sich durch das direkte Handeln im Hier und Jetzt eine neue Wirklichkeit, die zum Kern der buddhistischen Lehre gehört.

Die vierte umfassende Lebensphilosophie
des Buddhismus ist das Erwachen oder die Erleuchtung, also die Befreiung. Sie enthält integrierend auch die drei ersten genannten Teilbereiche. Das Erwachen geht aber über diese Bereiche hinaus und bildet den „Schlussstein“ des buddhistischen Lehrgebäudes und der Praxis. Wenn die umfassende buddhistische Lehre im Einklang mit der Zazen-Praxis und dem täglichen Handeln steht, nenne ich das die zweite Erleuchtung.

Meister Dōgen drückt dies im Kapitel Genjō-kōan wie folgt aus:
„Selbst wenn dies alles so ist, fallen die Blüten, während sie geliebt werden, und wuchert das Unkraut, während es ungeliebt ist.“

Damit will er sagen, dass wir über unsere kleinen Wünsche, Hoffnungen, Ängste und Erwartungen, an die wir uns klammern, hinausgehen müssen. Wir müssen sie als solche erkennen und ihnen die einengende Kraft nehmen, um zur Wahrheit des Buddha-Dharma und des Lebens zu gelangen. Denn diese wirkliche Welt ist so, wie sie ist: rein, ohne Bedauern, kraftvoll und voller Dynamik. Warum sollten wir ihr entfliehen? Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mit den vier Lebensphilosophien den Schlüssel für die Lehren des Gautama Buddha und Meister Dōgens in der Hand halten und das großartige Werk Shōbōgenzō damit erschließen können.
Das Gesetz von Ursache und Wirkung hat im Buddhismus einen zentralen Stellenwert für uns selbst und für andere, und auch Meister Dōgen bekennt sich zu dieser Wahrheit. 

In dem Shōbōgenzō-Kapitel: „Tiefes Vertrauen in das Gesetz von Ursache und Wirkung“ kommt dies in aller Klarheit zum Ausdruck. Es legt den Schwerpunkt auf die Verantwortung für des eigene Handeln. Es betrifft zunächst die Lebensphilosophie des Materiellen und der Naturwissenschaft, die im Buddha-Dharma als Teilwirklichkeit geschätzt und anerkannt wird. Auch Meister Dōgen beschreibt in verschiedenen Kapiteln die physische Welt und, wie wir heute sagen würden, die Gesetze der Naturwissenschaft. Der große Wissenszuwachs der modernen Zeit ist ja nicht zuletzt in diesem Bereich entstanden und steht keinesfalls im Gegensatz zur buddhistischen Lehre. Besonders deutlich wird dies in den Kapiteln des Shōbōgenzō „Das verwirklichte Leben und Universum“, „Das ganze Universum ist eine leuchtende Perle“ und „Die Stimmen des Tales und die Form der Berge“.

Ethik und Moral 
Das Gesetz von Ursache und Wirkung gilt im Buddha-Dharma jedoch auch und nicht zuletzt für die Ethik und Moral des menschlichen Lebens. Es besagt, dass moralisch schlechte Taten unweigerlich auf den Urheber zurückschlagen, und zwar nach meiner festen Überzeugung noch in diesem Leben. Umgekehrt gilt dies auch für ethisch gutes Handeln, denn uns selbst kommt der „Nutzen“ daraus zugute, und wir entkommen dem Leiden.

Das Gesetz von Ursache und Wirkung erklärt die Zusammenhänge im Zeitablauf oder, wie wir sagen, mit dem Verständnis der linearen Zeit. Dies wird auch von Meister Dōgen im Shōbōgenzō beschrieben. Aus dem Gesetz von Ursache und Wirkung gibt es kein Entrinnen.
Wesentliche Erfahrungen und das wahre Erleben im Hier und Jetzt finden genau im gegenwärtigen Augenblick statt. 

Der gegenwärtigen Augenblick
Dieses hat im Buddha-Dharma eine sehr große Bedeutung, weil wir im gegenwärtigen Augenblick die Wirklichkeit und die Wahrheit selbst erleben und erfahren. Auch das Handeln findet im gegenwärtigen Augenblick statt, so dass die Augenblicklichkeit des Lebens und des Universums in der Lehre und in der Praxis des Buddhismus im Mittelpunkt stehen. Das Handeln im Augenblick bei der Zazen-Praxis ist mit der ersten Erleuchtung identisch und bedeutet, dass wir den Bodhi-Geist erwecken. Dōgen sagt hierzu:

„Wer auf des Tathagatas (Buddhas) Schatzkammer des wahren Dharma-Auges und den wunderbaren Geist des Nirvana vertraut, glaubt auch an den Grundsatz der Augenblicklichkeit des Erscheinens und Vergehens aller Dinge.“

Eine solche intuitive Weisheit und Klarsicht übersteigt bei weitem das übliche verstandesmäßige Denken und intellektueller Ideen, seien sie auch noch so anspruchsvoll, komplex und scharfsinnig. Diese intuitive Weisheit und die volle Gegenwart und Freiheit des Handelns werden im Buddhismus gelehrt und praktiziert. Dann können wir sagen, dass es uns wie „Schuppen von den Augen fällt“ und wir im Einklang mit der Welt und dem Universum handeln und leben. Wir können uns dann selbst erkennen, wie wir wirklich sind und werden. Dann handeln wir ohne Zögern und Hemmnisse unmittelbar, ethisch richtig und entschieden, so wie es die Situation gerade erfordert.

Wie ich an anderer Stelle ausgeführt habe, ist die westliche europäische Philosophie am Endpunkt der alten Kontroverse von Idealismus und Materialismus angelangt und sucht nach neuen Wegen, die nach meinem Verständnis von den großen Meistern des Buddhismus bereits gegangen worden sind. Beispielhaft möchte ich hier das Werk des deutschen Philosophen Martin Heideggers: „Sein und Zeit“ nennen. Das Handeln im gegenwärtigen Augenblick ist dem gegenüber Wahrheit und Wirklichkeit zugleich, es vollzieht sich hier und jetzt. Es ereignet sich in der Einheit von Subjekt und Objekt sowie von Körper und Geist. Dadurch werden wir frei und haben ein erfülltes und freudiges Leben. Dies ist die Überwindung des Leidens.


Es ist sicher unbestritten, dass Ethik und Moral im Buddhismus von fundamentaler Bedeutung sind und dass vor allem die Übereinstimmung von Reden, Denken und Handeln gelehrt und erlernt wird. Hierbei ist die Praxis des Zazen genauso wichtig wie das alltägliche Handeln im Alltag auf dem Buddha-Weg. Aber auch die buddhistische Lehre, die z. B. im Shôbôgenzô von Meister Dôgen formuliert wurde, ist unverzichtbar. 

Zazen ist die reinste Form des Handelns, und indem wir physisch im halben oder ganzen Lotossitz mit aufrechter Wirbelsäule sitzen, kommt das vegetative Nervensystem automatisch ins Gleichgewicht und zur Ruhe. Dieses geistige und körperliche Gleichgewicht gibt uns Kraft und Gelassenheit, es macht uns handlungsfähig und gesund. Es übersteigt das verstandesmäßige Denken oder die irritierenden Gefühle sowie die Genusssucht. Dieses Gleichgewicht ermöglicht intuitive Klarheit, Weisheit und Entscheidungskraft. Der Buddhismus ist die Verbindung von Lehre und Praxis, und er umfasst das ganze menschliche Leben und Universum.

Sonntag, 1. Mai 2016

Lotos-Sutra, ausgewählte Zitate in Dogens Shobogenzo

Meister Dôgen hat die folgenden authentischen Zitate in seinem Kapitel zum Lotos-Sûtra besonders hervorgehoben. Nishijima Roshi erklärte mir 2007 im persönlichen Gespräch, dass Dôgens Verständnis des Lotos-Sûtra von demjenigen des üblichen Volksbuddhismus in Ostasien abweicht. Dôgen war mit diesem Sûtra besonders vertraut, weil er bereits als Zwölfjähriger in Japan in ein Kloster der Tendai-Übertragungslinie, die sich auf das Lotos-Sûtra stützt, eingetreten war.

Er wurde dort allerdings nicht an die für ihn existenziellen Lebensfragen, Probleme und vor allem Antworten herangeführt, sodass der Aufenthalt in dem Kloster zwar ein guter Anfang war, ihn aber letztlich nicht befriedigen konnte. Dies war sicher ein wesentlicher Grund dafür, dass er die Reise nach China auf sich nahm, um im Chan-Buddhismus Klarheit zu gewinnen, auf die sein wacher und zutiefst ehrlicher Geist so sehr hoffte. Nach einigen Enttäuschungen fand er sie schließlich mithilfe seines Lehrers Tendô Nyojô, den er außerordentlich schätzte und Zeit seines Lebens hoch verehrte.

Das Lotos-Sûtra entstand in Indien etwa ab dem ersten Jahrhundert vor Christus und wurde von Meister Kumarajiva im Jahr 406 nach Christus aus dem Sanskrit ins Chinesische übersetzt. Diese Fassung war und ist in Japan und China weit verbreitet und wurde von Iwanami Bunko veröffentlicht.

Nach einer ersten Übersetzung ins Englische durch Bunno Kato und William Soothill im Jahr 1930 wurde 1975 eine verbesserte Fassung von Weatherhill und Kosei herausgegeben. Dieser Fassung folgen die hier verwendete englische Übersetzung von Nishijima und Cross und somit meine deutschen Texte.

Kapitel 1: Einführung
So habe ich gehört: Zu einer Zeit lebte Buddha in Rajagriha. Auf dem Berg Gridhrakûta weilte er mit 12.000 großen bhikshus (Mönchen). Sie waren alle arhats (Erleuchtete Hörer), die alle Extreme und Übertreibungen beendet hatten, ohne Schwierigkeiten waren, im Gleichgewicht waren, die Grenzen der Existenz verwirklichten und im Geist befreit waren.

Zu jener Zeit sprach Manjushrî zu dem Bodhidsattva-Mahâsattva Maitreya und allen anderen großartigen Wesen: „Gute Söhne! Im Einklang mit meiner Überzeugung wird jetzt der Buddha, der Weltgeehrte, den großen Dharma lehren.

Er erklärte den wahren Dharma, der gut am Anfang, gut in der Mitte und gut am Ende ist.
Bevor die letzten jener (Sonne, Mond, Licht) Buddhas ihr Heim verließen, hatte er acht königliche Söhne. Diese acht Prinzen, unbehindert in ihrer Majestät, regierten jeweils vier Kontinente. Diese Prinzen entsagten alle dem Thron, als sie hörten, dass ihr Vater das Heim verlassen und (die Wahrheit von) anuttara-samyak-sambodhi erlangt hatte. Sie folgten ihm, verließen ebenfalls ihr Zuhause und errichteten den Geist des Großen Fahrzeugs. Sie praktizierten fortwährend reines Handeln und wurden alle Lehrer des Dharma. Unter Tausenden von unzähligen Buddhas hatten sie viele Wurzeln des Guten gepflanzt.

Die Zuhörer in jenem Orden blieben an einem Ort sechzig kleinere Zeitalter lang sitzen und bewegten nicht Körper und Geist.
Daher nehme ich an, dass der Tathâgata heute das Sûtra des Großen Fahrzeugs lehren wird, das die Lotosblume des Wundervollen Dharma genannt wird, die Methode, die Bodhisattvas zu lehren, die Buddhas bewahren und erinnern.

Dieses Licht erleuchtete das östliche Viertel von achtzehntausend Buddha-Ländern.
Als der Buddha (Sonne, Mond, Licht) die Blume des Dharma gelehrt hatte und bewirkte, dass die Versammlung sich freute, dann, an jenem besonderen Tag, erklärte er der Versammlung von Göttern und Menschen:

„Die Wahrheit, dass alle Dharmas wirkliche Form sind, wurde für euch alle gelehrt.“

Dieser Lehrer des Dharma, mystisches Licht, hatte zu jener Zeit einen Schüler, dessen Geist immer nachlässig war, der gierig an Ruhm und Vorteil hing, der voller Unruhe Ruhm und Vorteil suchte, der oft Unterhaltung fand in den Palästen der aristokratischen Familien, der verlassen hatte, was er auswendig gelernt hatte, alles vergessend, bevor er es klar verstanden hatte, und der aus diesem Grund „Der Ruhmsüchtige“ genannt wurde.

Auch er war in der Lage – durch die Praxis guter Taten –, zahllosen Buddhas zu begegnen, ihnen Gaben zu überreichen, ihnen zu folgen, indem er die große Wahrheit praktizierte, und die sechs Paramitâs (Tugenden) zu vollenden.
Jetzt hat er Shâkyamuni gesehen. Danach wird er Buddha werden. Und er wird Maitreya genannt werden.

Jetzt sandte der Buddha ein Leuchten aus, um zu helfen, die Bedeutung der wirklichen Form zu enthüllen. Menschen, jetzt müsst ihr aufmerksam und klar sein! Haltet die Handflächen zusammen und wartet mit ganzem Herzen!

Kapitel 2: Wirkungsvolle buddhistische Methoden und Mittel
Zu jener Zeit erhob sich der Weltgeehrte ruhig und klar aus dem Samâdhi und wandte sich an Shariputra: „Die Weisheit der Buddhas ist tiefgründig und unergründlich. Ihre Übertragungslinie der Weisheit ist schwer zu verstehen, und der Zugang ist schwierig. Alle Shrâvakas und Pratyekabuddhas können sie nicht begreifen Warum? (Weil) ein Buddha vertraut ist mit zahllosen Hunderttausenden unendlichen Ansammlungen (kotis) von Buddhas und die unergründliche Wahrheit und Wirklichkeit der Buddhas vollständig praktiziert hat.

Tapfer und ausdauernd sorgt er dafür, dass Buddhas Namen umfassend gehört werden, vollendet er den tiefgründigen beispiellosen Dharma und lehrt, wie es die Situation erlaubt, die Bedeutung, die schwer zu verstehen ist.
Der Tathâgata ist vollkommen ausgerüstet mit Zweckmäßigkeit und dem Paramitâ der Weisheit. Shariputra! Die Weisheit des Tathâgata ist weit, groß, tiefgründig und ewig.

Buddhas allein, zusammen mit Buddhas, können klar und vollkommen erkennen, dass alle Dharmas wirkliche Formen sind. Was „alle Dharmas“ genannt wird, ist Form wie sie ist, die Natur wie sie ist, der Körper wie er ist, die Energie wie sie ist, das Handeln wie es ist, die Ursachen wie sie sind, die Bedingungen wie sie sind, die Wirkungen wie sie sind, die Ergebnisse wie sie sind und der höchste Zustand der Gleichgewicht von Substanz und Einzelheit wie er ist.
Ich und die Buddhas in den zehn Richtungen sind unmittelbar in der Lage, diese Dinge zu wissen.

Selbst wenn die Welt voll von Wesen wie Shariputra wäre, würde all ihr Intellekt nicht ausreichen, um Buddhas Weisheit zu ermessen.
So (reichlich vorhanden wie) Reis, Hanf, Bambus und Schilf.
Nur ich kenne die konkrete Form, und die Buddhas der zehn Richtungen sind genauso.

Zu der Zeit gab es in der großen Versammlung Shrâvakas, den Arhat Ajnâta-Kaundinja, der alle Extreme beendet hatte, und andere (zusammen) 1.200 Menschen.
Kinder geboren aus dem Mund Buddhas, Handflächen zusammengelegt, aufschauend, wir warten. Bitte stoße den feinen Ton aus und lehre für uns (die Wahrheit) wie sie wirklich ist.

Halt, halt, keine Notwendigkeit, es zu erklären. Mein Dharma ist zu außergewöhnlich, um darüber nachzudenken. Arrogante Menschen werden es nicht mit Respekt glauben, wenn sie davon hören.

Als er diese Worte in der Versammlung predigte, erhoben sich 5.000 Mönche, Nonnen und Laien von ihren Sitzen, verbeugten sich zum Buddha hin und zogen sich zurück.
Die Wurzeln des falschen Tuns dieser Gesellen waren tief und schwer. (Aber Buddha ließ es geschehen und hielt sie nicht zurück!)

Daraufhin wandte sich Buddha an Shariputra:
„Nun bin ich in dieser Versammlung frei von Ästen und Zweigen, und nur die Wahren und Wirklichen bleiben. Shariputra! Es ist fein, dass solche arroganten Menschen wie diese sich zurückziehen. Nun hört gut zu und ich werde für euch predigen.“

Shariputra sagte: „Bitte tue das, Weltgeehrter. Ich möchte unbedingt voller Freude hören.“ Der Buddha wandte sich an Shariputra: „Die Buddha-Tathâgatas predigen nur von Zeit zu Zeit den wundervollen Dharma, genau wie die Udumbara-Blume nur einmal in einem Zeitalter erscheint.“

Der Dharma kann nicht durch Denken und Unterscheiden verstanden werden. Nur Buddhas sind direkt in der Lage, ihn zu kennen. Warum? Die Buddhas, die Weltgeehrten, erscheinen in der Welt nur aufgrund der einen großen Aufgabe. Shariputra, warum sage ich, dass die Buddhas, die Weltgeehrten, in der Welt nur aufgrund der einen großen Aufgabe erscheinen? Die Buddhas, die Weltgeehrten, erscheinen in der Welt, weil sie ein großes Verlangen haben zu bewirken, dass die Lebewesen die Weisheit Buddhas enthüllen, die sie in die Lage versetzt, rein zu werden.

Sie erscheinen in der Welt, weil sie das Verlangen haben, den Lebewesen die Weisheit Buddhas zu zeigen. Sie erscheinen in der Welt, weil sie das Verlangen haben zu bewirken, dass die Lebewesen die Weisheit Buddhas verwirklichen. Sie erscheinen in der Welt, weil sie das Verlangen haben, die Lebewesen dazu zu bringen, dass sie in den Zustand der Wahrheit eintreten, der die Weisheit Buddhas ist. Shariputra, deshalb erscheinen die Buddhas in der Welt, nur aufgrund der einen großen Aufgabe.
Shariputra, der Tathâgata predigt nur mit den Mitteln des einen Buddha-Fahrzeugs den Dharma für die Lebewesen. Es gibt kein anderes Fahrzeug, weder ein zweites noch ein drittes. Shariputra, der Dharma aller Buddhas der Zehn Richtungen ist auch genau wie dieses.

Shariputra: „Wenn irgendwelche meiner Schüler, die sich selbst Arhats oder Pratyekabuddhas nennen, weder die Tatsache hören noch verstehen, dass die Buddha-Tathâgatas nur Bodhisattvas lehren, dann sind sie nicht Buddhas Schüler, weder Arhats noch Pratyekabuddhas.

Noch einmal, Shariputra: Wenn diese Mönche und Nonnen sich selbst denken: „Ich habe schon den Zustand eines Arhat erlangt, dies ist mein letztes Leben, höchstes Nirvâna“, und dann nicht länger (die Wahrheit vom) anuttara-samyak-sambodhi erstreben möchten, solltest du wissen, dass diese Menschen von hochmütiger Arroganz sind. Warum? (Weil) es nicht so etwas wie einen Mönch gibt, der den Zustand eines Arhat erlangt, ohne diese Lehre zu glauben.

Dieser mein Dharma von neun Kapiteln, der gelehrt wird, wie es sich für Menschen geziemt, ist die Grundlage für den Eintritt in das Große Fahrzeug. Darum lehre ich dieses Sûtra.

In den Buddhaländern der zehn Richtungen gibt es nur den Dharma eines Fahrzeugs. Es gibt weder ein zweites noch ein drittes.
Ich, dessen Körper mit Zeichen geschmückt ist und mit strahlendem Licht, das die Welt beleuchtet, bin geehrt durch zahllose Mengen, für die ich das Siegel der wahren Form lehre.

Wenn Menschen achtungsvoll den Stûpas und Schreinen, den Juwelenbildern und gemalten Bildern mit Blumen, Räucherstäbchen, Flaggen und Baldachinen Gaben spenden, (oder) wenn sie andere dazu bringen, Musik zu machen, Trommeln zu schlagen, Hörner und Muscheln zu blasen, Panflöten, Flöten, Lauten, Lyras, Harfen, Gongs und Zimbeln (zu spielen) und viele feine Töne wie diese (hervorzubringen), dann dienen sie dauernd als Gaben, oder (wenn) sie mit Herzen voller Freude den Lobpreis von Buddhas Tugend dann haben sie alle Buddhas singen, selbst mit einem leisen Ton, Wahrheit verwirklicht. Wenn die Menschen, deren Geist abgeirrt ist, mit nur einer einzigen Blume einem gemalten (Buddha-)Bild Gaben spenden, werden sie nach und nach zahllose Buddhas sehen.

Noch einmal, Menschen, die Niederwerfungen machen oder einfach die Hände zusammenlegen oder auch nur eine Hand ein wenig anheben oder den Kopf ein wenig senken und auf diese Weise einem Bild Gaben spenden, werden allmählich zahllose Buddhas sehen, werden auf natürliche Weise die höchste Wahrheit verwirklichen und werden in weitem Umkreis zahllose Mengen retten.
Der Dharma weilt an seinem Ort im Dharma, und die Form der Welt verweilt dauerhaft. Weil sie dies an einem Ort der Wahrheit erkannt haben, lehren führende Lehrer es durch geeignete Mittel.
Zur Zeit dieser Überlegung werden die Buddhas der zehn Richtungen alle erscheinen.

In derselben Weise wie die Buddhas der drei Zeiten den Dharma lehren, so werde auch ich den Dharma lehren, der ohne Unterscheidung ist. Das Erscheinen der Buddhas in der Welt ist (für viele) weit entfernt, und es ist schwierig, ihm zu begegnen. Selbst wenn sie in der Welt erscheinen, ist es deshalb schwer, dass der Dharma gelehrt wird.

Kapitel 3: Die Parabel des brennenden Hauses
Zu dieser Zeit erhob sich Shariputra vor Freude springend sofort und legte seine Handflächen zusammen.

In der Vergangenheit hörte ich einen solchen Dharma von dem Buddha und sah, wie die Bodhisattvas die Bestätigung empfingen und Buddhas wurden.
In meinem Geist waren große Unruhe und großer Zweifel: War es nicht ein Dämon, der wie ein Buddha handelt und meinen Geist betrübt und verwirrt?
Das Land (des Blumenlichts Tathâgata) ist eben und gleichmäßig, rein und strahlend, ruhig und reich.

Obgleich ich sicher durch das brennende Tor weggehen kann, sind die Kinder in dem brennenden Haus ganz in ihr Spiel versunken. Sie bemerken und kennen (die Gefahr) nicht, und sie sind weder alarmiert, noch ängstlich (weil sie die Realität nicht sehen können).

Dieses Haus hat nur ein Tor, das außerdem schmal und klein ist. Die Kinder sind jung und besitzen noch nicht das Wissen. Sie lieben den Ort, an dem sie spielen. Sie könnten in das Feuer fallen und verbrannt werden. Ich muss ihnen diese gefährliche Situation erklären.

Viele Arten von Ziegenkutschen, Hirschkutschen und Ochsenkutschen sind jetzt außerhalb des Tores, um mit ihnen zu spielen. Kommt schnell heraus aus dem brennenden Haus, und ich werde euch alles geben, was ihr möchtet.

Dann sieht der wohlhabende Mann, dass seine Kinder sicher herausgelangten und alle auf dem offenen Grund an der Kreuzung sitzen und nichts sie behindert. Sein Geist ist leicht, und er hüpft vor Freude. Dann sagen alle seine Kinder zum Vater: „Vater, gib uns jetzt jene wunderbaren Spielsachen, die du uns vorhin versprochen hast: die Ziegenkutschen, Hirschkutschen und Ochsenkutschen.“ Shariputra! Nun gibt der wohlhabende Mann jedem seiner Kinder eine großartige Kutsche. Die Kutsche ist hoch und geräumig, mit allen Arten von Schätzen geschmückt und bespannt mit weißen Ochsen.

Gelangt schnell aus der dreifachen Welt heraus und ihr werdet die drei Fahrzeuge erlangen: die Fahrzeuge von Shrâvaka, Pratyekabuddha und Buddha. Ich gebe euch jetzt meine Garantie dafür, und am Ende wird es nicht falsch sein. Ihr müsst nur sorgfältig und ausdauernd sein.
Daraufhin fängt das Haus plötzlich Feuer. Sofort brennt es in den vier Richtungen lichterloh.

Alle Lebewesen sind meine Kinder. (Aber) tief gefangen in weltlichen Genüssen sind sie ohne Weisheit. Der Tathâgata, schon frei von dem brennenden Haus der dreifachen Welt, lebt ruhig in Zurückgezogenheit und weilt friedvoll in Wäldern und Feldern. Jetzt ist die dreifache Welt ganz mein Besitz, und die Lebewesen in ihr sind alle meine Kinder.
(Wir) fahren in dieser prächtigen Kutsche und kommen direkt am Ort der Wahrheit an.

Kapitel 4: Vertrauen und Verstehen
Und dann erhoben sie sich von ihren Sitzen, ordneten ihre Kleidung und entblößten nur ihre rechten Schultern.
Ohne Erwartung sind wir jetzt plötzlich in der Lage, den selten anzutreffenden Dharma zu hören. Wir gratulieren uns von ganzem Herzen, dass wir eine große Wohltat empfangen haben, sie für uns selbst erhalten zu haben, ohne sie gesucht zu haben. Ein unermesslicher Schatz.

Der Dharma ist wie ein Mensch, der in seiner Jugend seinen Vater verlässt und wegrennt.
Dies ist mein von mir gezeugter Sohn. (Weil) er mich in einer bestimmten Stadt verließ und fortging, ist er herumgewandert und erduldete über 50 Jahre lang ein hartes Schicksal.

Jetzt sind wir wahrlich die Hörer der Stimme. Wir veranlassen alle, die Stimme von Buddhas Wahrheit zu hören. Wir sind jetzt wahrhaftig Arhats (Hörer Buddhas).

Kapitel 5: Die Parabel der Heilpflanze
Der Dharmakönig, der die „Existenz“ bricht, erscheint in der Welt und entsprechend der Wünsche der Lebwesen lehrt er den Dharma auf vielfältige Weise. Wenn die Weisen ihn hören, sind sie in der Lage, sofort zu vertrauen und zu verstehen. Die Törichten zweifeln und grämen sich und verlieren ihn auf diese Weise für immer.

Pflanzen, Büsche, Heilkräuter, große und kleine Bäume, verschiedenartiges Getreide und Sämlinge, Zuckerrohr und Weinranken werden ausreichend vom Regen benetzt,. Trockener Grund wird ganz durchtränkt, Heilkräuter und Blumen gedeihen zusammen.
Eure Handlungen sind der Bodhisattva-Weg selbst. Durch schrittweise Praxis und Lernen werdet ihr alle Buddhas werden.

Kapitel 6: Bestätigung, ein Buddha zu werden
Dieser mein Schüler Mahâkâshyapa wird in zukünftigen Zeitaltern in der Lage sein, dreihundert Milliarden hunderte von Millionen weltgeehrter Buddhas  zu dienen, ihnen Gaben darzubringen, sie zu schätzen, zu ehren und zu preisen und den grenzenlosen Dharma der Buddhas weithin zu verkünden

Meine Schüler, 500 an der Zahl, vollkommen ausgerüstet mit würdevollen Tugenden, werden alle die Bestätigung (und Dharma-Übertragung) empfangen. Und in einem zukünftigen Zeitalter werden alle in der Lage sein, Buddha zu werden.

Kapitel 8: Die Bestätigung der fünfhundert Schüler
Mönche! Purna war in der Lage, unter den sieben Buddhas der herausragende Dharma-Redner zu werden. Nun wurde er auch der beste Dharma-Redner in meinem Orden. Er wird unter zukünftigen Buddhas in diesem kraftvollen Kalpa wieder der Beste unter den Dharma-Rednern sein und wird den Buddha-Dharma schützen, erhalten, unterstützen und lehren.

500 Mönche werden Buddha werden, jeder von ihnen. Mit demselben Namen, „Universales Licht“, werden sie einem nach dem anderen die Bestätigung geben.

Weltgeehrter! Es ist so, als ob jemand zum Haus eines engen Freundes geht, betrunken wird und sich niederlegt. Inzwischen befestigt der Freund eine Perle von grenzenlosem Wert in der Kleidung des Menschen als ein Geschenk und geht fort, weil er seine Geschäfte wahrnehmen muss.

Es ist so, wie wenn ein armer Mensch zum Haus eines engen Freundes geht, dessen Familie sehr wohlhabend ist. (Der Freund) tischt viele feine Gerichte auf und befestigt eine Perle von grenzenlosem Wert innen in der Kleidung (des Armen).
Nun, da wir von Buddha von der wundervollen Tatsache der Bestätigung und der folgenden Annahme der Bestätigung hören, sind Körper und Geist voll von Freude.

Kapitel 14: Friedvolle und freudige Praxis
Ein Bodhisattva-Mahâsattva sollte nicht in die Nähe von Königen, Prinzen, Ministern und hohen Beamten gelangen.
(Der Bodhisattva) wendete Öl für seinen Körper an, nachdem er den Staub und Schmutz weggewaschen hatte, und er legte eine frische und reine Robe an: vollständig sauber innen und außen.

Obgleich jene Menschen dieses Sûtra weder hören, noch daran glauben, noch es verstehen, werde ich sie – wo immer ich bin – mithilfe der übernatürlichen Kraft und der Kraft der Weisheit führen und dazu bringen, in diesem Dharma verweilen zu können, wenn ich (die Wahrheit von) anuttara-samyak-sambodhi erlange.

Wenn es einen mutigen und kraftvollen Menschen gibt, der schwierige Taten ausführen kann, holt der König aus dem Inneren seines Haarknotens die leuchtende Perle und gibt sie ihm. Es ist so, als ob der König aus seinem Haarknoten die strahlende Perle herausholt und weitergibt. Dieses Sûtra wird als das höchste unter allen Sûtras geehrt. Ich habe es immer bewahrt und nicht wahllos preisgegeben. Jetzt ist die Zeit, es für euch alle zu lehren.

Wenn wir vollkommen den Gleichgewichtszustand von Dhyâna erreicht haben, treffen wir die Buddhas der zehn Richtungen.
Die Körper der Buddhas, golden gefärbt und geschmückt mit 100 Zeichen des Glücks: Indem wir den Dharma hören und ihn für andere lehren, existiert dieser erfreuliche Traum für immer. Und in der Traumhandlung verlässt der König des Landes seinen Palast, seine Nachfolger und die fünf Begierden nach dem Höchsten und Feinen, und er geht zu einem Ort der Wahrheit.

Am Fuße eines Bodhi-Baums sitzt er auf dem Löwensitz strebt nach der Wahrheit sieben Tage lang und erlangt die Weisheit der Buddhas. Nachdem er die höchste Wahrheit verwirklicht hat, erhebt er sich und dreht das Rad des Dharma. Er lehrt den Dharma für die vier Gruppen, Tausende von Myriaden von Zeitaltern lang. Er lehrt den fehlerfreien wundervollen Dharma und rettet unzählige Lebewesen. Danach geht er auf natürliche Weise in das Nirvâna ein, wie eine Laterne, die ausgeht, wenn der Rauch verbraucht ist. Wenn (irgendeiner) in zukünftigen korrupten Zeiten diesen umfassenden Dharma lehrt, wird jener Mensch großen Vorteil erlangen, so wie die oben (beschriebenen) wunderbaren Wirkungen.

Kapitel 16: Die Lebenszeit des Tathâgata
Gute Söhne! Es ist unzählige und unbegrenzte Hunderttausende Myriaden von Weltaltern her, seit ich tatsächlich den Zustand Buddhas verwirklicht habe. Nehmt zum Beispiel an, dass es 500.000 Myriaden von Zeitaltern von dreitausend großen tausendfachen Welten gibt. Lasst sie von jemanden in Atome zermahlen, lasst ihn ostwärts wandern durch Hunderttausende Myriaden von Weltaltern und Länder und dann ein Atom fallen lassen. (Nehmt an, dass der Mensch) ostwärts weitergeht und so verfährt, (bis) alle jene Atome aufgebraucht sind. Gute Söhne, was denkt ihr? Ist es möglich oder nicht, alle jene Welten zu begreifen und zu zählen, um auf diese Weise ihre Anzahl zu kennen?

Gute Söhne! Wenn er Lebewesen sieht, die sich an Geringem erfreuen, deren Tugend gering ist und deren Schmutz sich angesammelt hat, dann sagt der Tathâgata zu diesen Menschen: „In meiner Jugend verließ ich das Familienleben und erreichte anuttara-samyak-sambodhi.“ Und seit ich tatsächlich (den Zustand von) Buddha verwirklicht habe, ist (meine) Ewigkeit so wie sie ist. Nur um Lebewesen durch gut geeignete Mittel zu lehren und zu transformieren, sodass sie die Wahrheit Buddhas erreichen, mache ich Aussagen wie diese.

Alles was er sagt ist wirklich, nicht hohl. Warum? (Weil) der Tathâgata die Form der dreifachen Welt, wie sie wirklich ist, kennt und sieht – ohne Leben und Tod oder Verschwinden und Erscheinen, ohne Existenz in der Welt und ohne Auslöschung, weder real noch ohne etwas weder so noch anders. Es ist am besten, die dreifache Welt als die dreifache Welt zu sehen (genauso wie sie ist, auch im Samsara und ohne an Antworten und Lehrmeinungen zu hängen).

So liegt es weit in der fernen Vergangenheit zurück, seit ich (den Zustand des) Buddha verwirklicht habe. (Meine) Lebenszeit umfasst zahllose Weltalter, existiert ewig und geht nicht unter. Gute Söhne! Die Lebenszeit, die ich durch meine unverfälschte Praxis des Bodhisattva-Wegs verwirklicht habe, ist noch nicht erschöpft, sondern wird noch zweimal so lange wie die vorherige Anzahl (von Weltaltern) dauern.

Als gut geeignete Methode, um Lebewesen zu retten, manifestiere ich das Nirvâna. Ich habe wirklich noch nicht die Welt verlassen, weile hier dauerhaft und lehre den Dharma. Ich lebe immer an diesem Ort mit mystischen Kräften. Ich bewirke, dass Lebewesen, die verwirrt sind, nicht in der Lage sind, mich zu sehen, obgleich ich nahe bin. Viele sehen, dass ich gestorben bin, und weit und breit opfern sie Gaben für meine Knochen, haben romantische Sehnsüchte und tragen Durst in ihren Herzen. Wenn Lebewesen geglaubt haben und sich gebeugt haben, einfach und geradeaus sind, beweglich im Geist, und sie von ganzem Herzen dem Buddha begegnen wollen, ohne ihren eigenen Körper und ihr Leben bequem zu schonen, dann erscheinen ich und viele Mönche zusammen auf dem Vulture-Gipfel.

(Ich bin) ewig auf dem Vulture-Gipfel anwesend und an anderen Stätten. Selbst wenn Lebewesen am Ende eines Zeitalters sehen, dass sie im großen Feuer verbrannt werden müssen, ist mein Land ruhig, immer mit Göttern und menschlichen Wesen angefüllt. Seine Parks und Paläste sind geschmückt mit vielfältigen Schätzen. Wertvolle Bäume tragen Blüten und Früchte im Überfluss. Es ist ein Ort, wo die Lebewesen sich erfreuen. Die Götter schlagen göttliche Trommeln und machen andauernd Theater und Musik und überschütten den Buddha und die große Versammlung mit Mandârava-Blüten. Mein reines Land ist unsterblich, dennoch betrachten es viele als verbrannt und voll von Gram, Entsetzen und Qualen.

Diese Lebewesen mit vielen Sünden, mit ihrem schlechten Verhalten, als direkte und indirekte Ursachen, hören den Namen der drei Schätze nicht, selbst wenn sie unzählige Zeitalter überdauern. Lebewesen, die Tugend praktizieren, die freundlich, einfach und geradeaus sind, sehen alle meinen Körper, der hier existiert und den Dharma lehrt.

Andauernd habe ich diesen Gedanken: „Wie kann ich die Lebewesen in die Lage versetzen, die höchste Wahrheit zu erlangen und schnell den Körper Buddhas zu verwirklichen.

Kapitel 18: Das Verdienst der freudigen Annahme des Sûtra
Der Buddha wandte sich an den Bodhisattva-Mahâsattva Maitreya: „Ajita, wenn nach dem Tod des Tathâgata Mönche und Nonnen, Laien und andere weise Menschen, alt oder jung, dieses Sûtra gehört haben und es mit Freude annehmen, den Dharma – Orden verlassen und irgendwo hingehen, um in Klostern und an abgelegenen Orten oder in Städten, Straßen, Dörfern und Feldern (dieses Sûtra), wie sie es gehört haben, entsprechend ihrer Fähigkeit ihrem Vater und ihrer Mutter, Angehörigen und guten Freunden und Bekannten zu erläutern, und wenn alle diese Menschen die Lehre hören, mit Freude annehmen und sie weiter überliefern, dann werden andere Menschen, die die Lehre gehört haben, sie ebenfalls mit Freude annehmen und sie bis zur 50. Generation weitergeben.“

Wie viel mehr ist jenes Glück ohne Grenzen, wenn wir (das Sûtra) mit ungeteiltem Geist hören, seine Bedeutung beleuchten und entsprechend der Lehre praktizieren?

Dann wandte sich der Buddha an den Bodhisattva-Mahâsattva, den immer Eifrigen: „Wenn irgendein guter Sohn oder eine gute Tochter dieses Sûtra der Blume des Dharma empfängt, bewahrt oder es erklärt oder kopiert, dann wird dieser Mensch 800 Verdienste des Auges, 1.200 Verdienste des Ohres, 800 Verdienste der Nase, 1.200 Verdienste der Zunge, 800 Verdienste des Körpers und 1.200 Verdienste des Geistes erhalten. Diese Verdienste werden die sechs Organe schmücken und sie alle rein machen.“

Kapitel 19: Die Verdienste des Dharma-Lehrers
Obgleich (er oder sie) noch nicht die fehlerfreie wirkliche Weisheit erlangt hat, ist sein oder ihr Geistorgan rein wie dieses.

Kapitel 25: Das universale Tor des Bodhisattva Hörer der Laute der Welt
Guter Sohn! Wenn unzählige Hunderttausende Myriaden von Lebewesen, die an Qualen leiden, von dem Bodhisattva „Hörer der Laute der Welt“ hören und mit ungeteiltem Geist den Namen (des Bodhisattva) rufen, dann wird der Bodhisattva „Hörer der Laute der Welt“ sofort ihre Schreie hören, und alle werden erlöst werden.

Guter Sohn! Wenn Lebewesen in irgendeinem Land durch den Körper Buddhas gerettet werden müssen, manifestiert der Bodhisattva „Hörer der Laute der Welt“ sofort den Körper Buddhas und lehrt für sie den Dharma. Für jene, die durch den Körper eines Pratyekabuddha gerettet werden müssen, manifestiert (der Bodhisattva) sofort den Körper eines Pratyekabuddha und lehrt für sie den Dharma. Für solche, die durch den Körper eines Hörers (Shrâvakas) gerettet werden müssen, manifestiert (der Bodhisattva) sofort den Körper eines Hörers und lehrt für sie den Dharma. Für solche, die durch den Körper des Königs Brahma gerettet werden müssen, manifestiert (der Bodhisattva) sofort den Körper des Königs Brahma und lehrt für sie den Dharma.

Für jene, die durch den Körper des Gott-Königs Shakra gerettet werden müssen, manifestiert (der Bodhisattva) sofort den Körper des Gott-Königs Shakra und lehrt für sie den Dharma. Für jene, die durch den Körper von Ishvara gerettet werden müssen, manifestiert (der Bodhisattva) sofort den Körper des Ishvara und lehrt für sie den Dharma. Für jene, die durch den Körper von Maheshvara gerettet werden müssen, manifestiert (der Bodhisattva) sofort den Körper von Maheshvara und lehrt für sie den Dharma. Für jene, die durch den Körper eines göttlichen großen Feldherrn gerettet werden müssen, manifestiert (der Bodhisattva) sofort den Körper eines göttlichen großen Feldherrn und predigt für sie den Dharma.

Für jene, die durch den Körper von Vaishravana gerettet werden müssen, manifestiert (der Bodhisattva) sofort den Körper von Vaishravana und lehrt für sie den Dharma. Für jene, die durch den Körper eines kleinen Königs gerettet werden müssen, manifestiert (der Bodhisattva) sofort den Körper eines kleinen Königs und lehrt für sie den Dharma. Für jene, die durch den Körper eines reichen Mannes gerettet werden müssen, manifestiert (der Bodhisattva) sofort den Körper eines reichen Mannes und lehrt für sie den Dharma. Für jene, die durch den Körper eines Hausverwalters gerettet werden müssen, manifestiert (der Bodhisattva) sofort den Körper eines Hausverwalters und predigt für sie den Dharma.

Für jene, die durch den Körper eines Regierungsvertreters gerettet werden müssen, manifestiert (der Bodhisattva) sofort den Körper eines Regierungsvertreters und lehrt für sie den Dharma. Für jene, die durch den Körper eines Brahmanen gerettet werden müssen, manifestiert (der Bodhisattva) sofort den Körper eines Brahmanen und lehrt für sie den Dharma. Für jene, die durch den Körper eines Mönchs oder einer Nonne, eines männlichen oder weiblichen Laien gerettet werden müssen, manifestiert (der Bodhisattva) sofort den Körper eines Mönchs, einer Nonne, eines männlichen oder weiblichen Laien und lehrt für sie den Dharma.

Für jene, die durch den Körper der Frau eines reichen Mannes, eines Hausverwalters, Offiziellen oder Brahmanen gerettet werden müssen, manifestiert (der Bodhisattva) sofort den Körper einer Frau und lehrt für sie den Dharma. Für jene, die durch den Körper eines Jungen oder eines Mädchens gerettet werden müssen, manifestiert (der Bodhisattva) sofort den Körper eines Jungen oder eines Mädchens und lehrt für sie den Dharma. Für jene, die durch den Körper eines Gottes, Drachens, Yaksha, Gandharva, Asura, Garuda, Kimnara oder Mahoraga, eines menschlichen Wesens oder eines nichtmenschlichen Wesens gerettet werden müssen, manifestiert (der Bodhisattva) in jedem Fall sofort diesen (Körper) und lehrt für sie den Dharma.

Für jene, die durch den Körper eines diamanthaltenden Gottes gerettet werden müssen, manifestiert (der Bodhisattva) sofort den Körper eines diamanthaltenden Gottes und lehrt für sie den Dharma. Unbegrenztes Denken! Der Bodhisattva „Hörer der Laute der Welt“ vollbringt gute Wirkungen wie diese, indem er alle Formen benutzt, alle Länder durchwandert, um die Lebewesen zu retten. Daher müsst ihr alle mit ganzem Herzen Gaben für den Bodhisattva „Hörer der Laute der Welt“ spenden. Der Bodhisattva „Hörer der Laute der Welt“ ist in der Lage, inmitten von Furcht und Schmerzen Angstfreiheit zu geben. Aus diesem Grund nennen alle in dieser Saha-Welt diesen (Bodhisattva) „Geber der Angstfreiheit“.

Während der Buddha dieses Kapitel über das universale Tor lehrte, etablierten die 84.000 Lebewesen in der Versammlung alle den Willen zum unvergleichlichen Zustand des Gleichgewichts, der anuttara-samyak-sambodhi heißt.

Kapitel 28: Ermutigung des Bodhisattva „Universale Tugend“
Während das Sûtra der Blume des Dharma auf seinem Weg durch (das Land) Jambudyipa weiterschreitet, sollte jeder, der es empfängt und behält, Folgendes überlegen: „Dies geschieht alles aufgrund der majestätischen, mystischen Kraft der Universalen Tugend.“ Wenn irgendjemand es empfängt und behält, es liest und rezitiert, es richtig erinnert, seine Bedeutung versteht und praktiziert, wie es von ihm gelehrt wird, dann sollten wir wissen, dass dieser Mensch das Werk der Universalen Tugend verrichtet.

(Der Bodhisattva „Universale Tugend“ sagte:) „Weltgeehrter! Ich werde jetzt durch meine mystische Kraft dieses Sûtra beschützen und bewahren. Nach dem Tod des Tathâgata werde ich dafür sorgen, dass es weit im (Land) Jambudyipa verbreitet wird, und ich lasse es niemals aufhören zu existieren

Daraufhin lobte Shâkyamuni Buddha ihn und sagte: „Wie hervorragend, wie hervorragend, Universale Tugend, dass du in der Lage bist, dieses Sûtra zu beschützen und zu unterstützen, indem du Frieden, Freude und Gutes für viele Lebewesen bewirkst. Du hast bereits undenkbare Tugend erreicht und tiefes Mitgefühl. Seit der weit entfernten Vergangenheit hast Du den Willen zur (Wahrheit von) anuttara-samyak-sambodhi etabliert und konntest das Gelöbnis der mystischen Kraft ablegen, dieses Sûtra zu beschützen und zu bewahren.“

Universale Tugend! Wenn es irgendjemanden gibt, der dieses Sûtra der Blume des Dharma empfängt, behält, liest, rezitiert, richtig erinnert, praktiziert und kopiert, dann wisse, dass dieser Mensch Shâkyamuni Buddha begegnet und dieses Sûtra hört, als käme es aus Buddhas Mund.